01.02.2012 | Originalarbeit
Sturz- und Frakturprävention auf der Grundlage des Nationalen Expertenstandards Sturzprophylaxe
Umsetzung und Kosten im Versorgungsalltag im Setting Pflegeheim
Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Ausgabe 2/2012
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Hintergrund
In Deutschland entstand vor einigen Jahren ein Expertenstandard Sturzprophylaxe. Ziel dieser Studie war es, erstmalig die Umsetzung und die Kosten von Maßnahmen zur Sturz- und Frakturprävention auf der Grundlage des Nationalen Expertenstandards Sturzprophylaxe im Setting Pflegeheim im Versorgungsalltag in Deutschland zu bestimmen.
Material und Methoden
Diese Studie im Prä-post-Design basiert auf einer nichtverblindeten, kontrollierten Translationsstudie zur Primärprävention von sturzbedingten Hüftfrakturen in Pflegeheimen in Bayern. Insgesamt 274 Pflegeheime nahmen im Jahr 2008 an dieser Studie teil. Die Intervention hatte zum Ziel, Maßnahmen zur Reduzierung von Stürzen und sturzbedingten Frakturen auf der Grundlage des Nationalen Expertenstandards umzusetzen. Eine zufällige Stichprobe von insgesamt 79 Heimen wurde telefonisch über 3 Messzeitpunkte befragt. Grundlage für die Kostenbestimmung war ein Fragebogen zur Erfassung von Maßnahmen und Kosten zur Sturz- und Frakturprävention aus gesamtgesellschaftlicher Sicht. Die durchschnittlichen Kosten wurden im Prä-post-Vergleich mit dem gepaarten t-Test und nichtparametrischen Bootstrap-Verfahren verglichen.
Ergebnisse
Die Einführung des Programms führte zu einer Zunahme von Maßnahmen zur Sturz- und Frakturprävention und zu zusätzlichen Kosten von durchschnittlich 6248 EUR (± SD 7340 EUR) je Pflegeheim in Preisen des Jahres 2008 über einen Zeitraum von 18 Monaten. Die Kosten variierten stark zwischen den Heimen. Ein Großteil der zusätzlichen Kosten resultierte aus der Einführung des Kraft- und Gleichgewichtstrainings. Je nach Art und Kosten des für das Kraft- und Gleichgewichtstraining eingesetzten Personals variierten die Gesamtkosten im Rahmen einer Sensitivitätsanalyse zwischen 4347 EUR (± SD 7167 EUR) und 7024 EUR (± SD 7439 EUR).
Schlussfolgerung
Die Einführung von Maßnahmen zur Sturz- und Frakturprävention auf der Grundlage des Nationalen Expertenstandards führte zu zusätzlichen Kosten. Die analysierten Kosten können Entscheidungsträger bei Allokationsentscheidungen bezüglich unterschiedlicher Präventionsprogramme (z. B. unterschiedlicher Expertenstandards), bei der Bestimmung der wesentlichen Kostenarten sowie bei der modellbasierten Analyse der Kosteneffektivität von Sturzpräventionsprogrammen in Pflegeheimen unterstützen.
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