01.02.2012 | Originalarbeit
Ergebnisse und Prädiktoren der geriatrischen Frührehabilitation im Akutkrankenhaus
Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Ausgabe 2/2012
Einloggen, um Zugang zu erhaltenZusammenfassung
Hintergrund
Für geriatrische Patienten mit prolongiertem und schwerem Funktionsverlust im Rahmen einer Akuterkrankung, aber erhaltener rehabilitativer Perspektive wird eine frührehabilitative Behandlung nach den Prinzipien der geriatrischen Behandlung im akutstationären Umfeld empfohlen. Anhaltsdaten zu den damit erzielten Effekten fehlen aber bislang.
Patienten und Methoden
Alle Patienten, die innerhalb 1 Jahres nach einem definierten Auswahlalgorithmus gemäß den geltenden Empfehlungen in einem strukturierten Frührehabilitationsprogramm mindestens 1 Woche behandelt worden waren, wurden evaluiert und nach 6 Monaten mittels eines Telefoninterviews zum weiteren Verlauf befragt.
Ergebnisse
Insgesamt 138 Patienten wurden identifiziert. In 128 Fällen konnten Daten zum 6-Monats-Verlauf erhoben werden, in 92 Fällen erfolgte ein komplettes Interview. Die Mortalität in der frührehabilitativen Phase betrug 4%, die 6-Monats-Mortalität 28%. Der Medianwert für den funktionellen Zugewinn während der frührehabilitativen Phase (Aktivitäten des täglichen Lebens, ADL) betrug 10 Punkte. Im weiteren 6-Monats-Verlauf stagnierte der ADL-Wert, wobei sich interindividuell eine große Streubreite und Dynamik zeigt. Der wichtigste Prädiktor für einen ungünstigen Verlauf (ADL-Zugewinn 10 und weniger Punkte oder Tod) in der frührehabilitativen Phase ist ein ADL-Wert bei Eingang in das Programm von 15 und weniger Punkten. Dies ist ebenso der wichtigste Prädiktor der 6-Monats-Mortalität. Andererseits ist ein niedriger ADL-Eingangswert auch ein Prädiktor für ein Erhalt der Funktionalität bei Überleben der ersten 6 Monate nach Entlassung aus der Frührehabilitation.
Schlussfolgerung
Anhand dieser zahlenmäßig begrenzten Gruppe geriatrischer Patienten lassen sich folgende vorläufige Schlussfolgerungen ziehen: Die niedrige Mortalität innerhalb der geriatrischen Frührehabilitation spricht für einen effizienten Auswahlalgorithmus. Die Mortalität innerhalb der 6-Monats-Spanne liegt dagegen relativ hoch und spiegelt die Erkrankungsschwere wider. Neben Boden- und Deckeneffekten zeigt sich eine individuell sehr unterschiedliche Dynamik bezüglich des funktionellen Verlaufs, in dem für viele Patienten aber durchaus eine positive Entwicklung realisierbar war.
Anzeige