01.11.2003 | Psychologie/Psychiatrie
Nahtoderfahrungen
Phänomenologie, Erklärungsmodelle und klinische Bedeutung
Erschienen in: Notfall + Rettungsmedizin | Ausgabe 7/2003
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Menschen, die lebensbedrohliche Situationen überlebt haben, berichten gelegentlich über optische und akustische Wahrnehmungen, die als Nahtoderlebnis (Near-Death Experience, NDE) bezeichnet werden. In früheren Jahrhunderten nur in Einzelfällen erwähnt, gewinnt dieses Phänomen mit den Entwicklungen von Reanimatologie, Notfall- und Intensivmedizin zunehmend an Bedeutung. Die vorliegende Arbeit zeigt, dass die seit etwa 4 Jahrzehnten stattfindende intensive wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema zwar eine Systematik in die Phänomenologie von Nahtoderlebnissen bringen konnte, plausible wissenschaftliche Erklärungen jedoch weiterhin ausstehen. Die diskutierten Erklärungsansätze umfassen sowohl biologische und neurophysiologische Modelle, aber auch psychologische Theorien. Transzendentale Erklärungen sehen in Nahtoderlebnissen einen Hinweis auf wissenschaftlich nicht erfassbare Dimensionen, einschließlich einem Leben nach dem Tod. Nahtoderlebnisse werden von den Betroffenen meist als positiv erlebt. Sie können die Wertvorstellungen in positivem Sinne beeinflussen, selten jedoch auch Einstellungen und Verhalten des Betroffenen in einer Weise verändern, die zu erheblichen Konflikten mit der Umwelt führt. In der Notfallmedizin Tätige müssen sich bewusst sein, dass der Patient im Rahmen eines Nahtoderlebnisses medizinische Maßnahmen sehr klar und objektiv miterlebt.
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