01.10.2003 | Originalien
Notfallmedizinische Aspekte zum Verletzungsmuster bei Treppenstürzen aus rechtsmedizinischer Sicht
Erschienen in: Notfall + Rettungsmedizin | Ausgabe 6/2003
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Die Häufigkeit von Notarzteinsätzen nach Treppenstürzen dürfte nach Schätzungen aus urbanen Ballungszentren unter 5% der Gesamteinsatzzahlen liegen. Für das notärztliche Management im Rahmen der Primärversorgung kann die Kenntnis der häufigsten Verletzungen durchaus hilfreich sein. Darüber hinaus ergibt sich auch die Notwendigkeit zur Durchführung einer qualifizierten Leichenschau. Häufig ist es vor Ort jedoch nicht möglich, sämtliche, v. a. innere Verletzungen festzustellen bzw. Sturzursache und/oder Todesursache zu erkennen.
In dieser retrospektiven Untersuchung über einen 11-Jahres-Zeitraum wurden alle Todesfälle mit Treppensturz in der Vorgeschichte aus den Instituten für Rechtsmedizin der Universitäten Bonn und Greifswald erfasst. Die Treppenstürze betrafen etwa 2% (116 Fälle) aller Sektionen. Männer waren fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Bei den dokumentierten Verletzungen prävalierten Schädel-Hirn-Traumen. Darüber hinaus fanden sich Verletzungen mehrerer Körperregionen im Sinne eines Polytrauma. Bei 21 der untersuchten 116 Personen lagen sog. agonale (Sturz)verletzungen vor. Hier wurde bei der Sektion eine innere Erkrankung oder Intoxikation als Todes- und damit Sturzursache festgestellt. Deshalb sollte bei Auffindung von Notfallpatienten nach "Treppensturz" differenzialdiagnostisch stets an innere Erkrankungen gedacht werden. Vom forensischen Standpunkt aus sind anhand des Verletzungsmusters nur tendenziell Rückschlüsse auf ein vitales oder agonales Sturzgeschehen möglich.
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