01.04.2012 | Beiträge zum Themenschwerpunkt
Myelopoese und Knochenmarkfunktion des alten Tumorpatienten
Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Ausgabe 3/2012
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Gemäß einem Modell nach Balducci verschiebt sich die Stammzellreserve im Alter vom „ruhenden“, selbstreproduzierenden Pool zum proliferierenden Pool, entsprechend den höheren Anforderungen zur Gewährleistung der immunologischen Homöostase und Infektabwehr. „Hämatopoetischer Stress“ jeder Art, z. B. bei einer Sepsis oder einer zytoreduktiven Chemotherapie, führt zu einer Verminderung der peripheren Stammzellzahl bei Älteren im Gegensatz zu einem Anstieg bei Jüngeren. Diese Veränderungen sind etwa ab dem 70. Lebensjahr physiologisch relevant. Zusätzlich kommt es auch zu einer Änderung der Granulozytenfunktion, speziell ihrer phagozytären Kapazität, sowie der Balance zwischen stimulierenden und hemmenden Zytokinen. Bestehende Komorbiditäten beeinflussen das Ausmaß von Leukopenie und febriler Septikämie. Die prophylaktische Gabe von myelopoetischen Wachstumsfaktoren wird deshalb für ältere Patienten empfohlen, sobald das Risiko für eine höhergradige Hämatotoxizität (Grad III oder IV nach WHO-Kriterien) erwartet wird. Bislang existieren keine prognostischen Tests, die das individuelle Risiko der Hämatotoxizität vorhersagen können.
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