01.08.2003 | Psychologie/Psychiatrie
Belastungsreaktionen bei Einsatzkräften der Zugkatastrophe von Eschede
Erschienen in: Notfall + Rettungsmedizin | Ausgabe 5/2003
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Bei der Zugkatastrophe von Eschede im Jahr 1998 waren ca. 1800 haupt- und ehrenamtliche Helfer im Einsatz. In einer Fragebogenstudie wurden bei 665 Einsatzkräften rund 7 Monate nach ihrem Einsatz die Belastungsreaktionen und die Bewertung der psychologischen Nachsorgeangebote erhoben. Rund zwei Drittel der Helfer haben an Nachsorgemaßnahmen in Gruppen teilgenommen oder Einzelgespräche mit psychologisch geschulten Gesprächspartnern geführt. In den ersten Wochen nach dem Einsatz erlebten rund die Hälfte emotionale und psychovegetative Symptome sowie häufiges Wiedererleben des Einsatzgeschehens. Nur etwa 6% der befragten Helfer nennen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS, Drei-Monats-Prävalenz). In der ersten Woche nach dem Ereignis weisen diese Personen häufiger interpersonelle Probleme sowie sozialen Rückzug auf. Auch Tätigkeitsmerkmale während des Großschadensereignisses wie Bergung von Toten und Leichenteilen sowie ein früher Einsatzbeginn sind mit Symptomen einer PTBS assoziiert. Ein protektiver Einfluss der in Anspruch genommenen Nachsorgeangebote auf das Vorliegen psychischer Symptome nach dem Einsatz kann nicht nachgewiesen werden.
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